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Die „perfekte“ Familie – So einen Quatsch gibt es einfach nicht

 

Es gibt diese Tage, an denen einfach nichts klappen will. An denen man die Kinder, die man so sehr liebt, einfach nicht leiden kann.  Das Brot, das man geschmiert hat landet schon morgens absichtlich mit der Butterseite auf dem Fußboden, das Mittagessen, das man liebevoll gekocht hat, wird verschmäht.  Im Kaffee landet schon Salz statt Zucker, die Wäsche im Keller stapelt sich und das Spielzeug verteilt sich kreuz und quer im Haus, obwohl man schon tausendmal gesagt hat, dass es bitte weggeräumt werden soll. Denn der kleine Legostein tut unterm Fuß einfach fürchterlich weh.

 

Und trotzdem bleibt man geduldig, ruhig und erklärt die Dinge mit sanfter Stimme. Doch alles was man zurückbekommt, ist Gemecker. Ganz unwillkürlich denkt man als Mutter darüber nach, ob man daran nun selber schuld ist. Ob die Kinder nun so sind, weil ich als Mama etwas falsch gemacht? Ob ich mit meiner Erziehung einfach völlig daneben liege und  gescheitert bin? Zumindest geht es mir so. Ganz ehrlich, genau diese Gedanken plagen mich, wenn ich müde und zermürbt auf meiner Couch sitze, während meine Kinder wieder einmal den kompletten Fußboden vollbröseln, obwohl ich gerade erst vor ein paar Minuten gesaugt habe.  

 

 

Ich sehe im Supermarkt die anderen Familien mit Geschwistern, die sich liebevoll die Süßigkeiten auf dem Rücksitz teilen und sich anschnallen, während meine Beiden einen Krieg darüber entfachen wer auf wessen Seite einsteigt. Der Sohn beim Spaziergang, der seine kleine Schwester an der Hand nimmt, während meine Große ihrer kleinen Schwestern ständig den gefundenen Stock aus der Hand reißt. Ich sehe die anderen Mütter, deren Kinder freudestrahlend wieder eine neue Bastelei präsentieren und sich auf den anschließenden Geigenunterricht freuen. Sie stellen immer wieder ihre Schuhe ordentlich hin, verlieren nie die schönen Haarspangen und Turnbeutel. Man muss sie nicht ständig anbetteln, sie mögen sich doch bitte endlich die Hände waschen gehen, damit wir endlich essen können.

 

Ja, ich zweifele an mir, wenn meine Tochter die Türen schmeißt, weil ich sie ungerecht behandelt habe.

 

Aber: Das ist alles Quatsch und das weiß ich eigentlich auch. Es gibt keine einzige Familie, in der wirklich immer alles klappt. Wir sehen es jeden Tag und ÜBERsehen es aber eben auch. Wie oft haben wir alle schon gesehen, dass die „perfekte“ Familie von nebenan sich plötzlich trennt, weil sie unüberwindbare Differenzen hatte? Es schien alles so glücklich und harmonisch und doch war es nach außen hin eben eine große Show. Wir sehen oft nur einen Bruchteil vom Leben anderer Familien. Ganz zu schweigen von der Illusion, die uns in sozialen Medien präsentiert wird. Instagram zum Beispiel zeigt uns in vielen Bereichen eine perfekte Welt von Schönheit und Glück und nur selten den tatsächlichen Blick hinter die Kulissen, wo nicht nur alles rosarot glitzert und mit Filtern glatt und wunderschön gezaubert ist. Wenn wir also wissen, dass es diese perfekte Illusion nicht gibt, warum rennen wir ihr immer noch so gehetzt hinterher? Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher ist mir eigentlich, dass diese Perfektion vollkommen unnötig ist. Wer will denn schon „perfekte“ Kinder? Beziehungsweise: Was soll das eigentlich sein? Meine Kinder sind PERFEKT, und zwar genau so, wie sie jetzt sind. In genau diesem Moment. Denn sie sind glücklich in ihrer Kindheit, in der sie spielen, leben, toben dürfen und in der sie vor allem bedingungslos geliebt werden. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, waren die Momente des Glücks diejenigen, in denen ich voller Matsch und Dreck draußen gespielt habe, oder mit meinen Brüdern bei Regenwetter ein rießiges Spinnennetz durchs Haus mit 500m Wolle gesponnen habe.  Auch bei uns zu Hause gab es oft Geschwisterstreit, es wurde auch mal laut geschimpft, weil wir uns völlig daneben benommen habe.

 

Ich habe genauso meine Mutter angebrüllt, weil ich einfach sauer und wütend war. Auch sie hat mir meine Klamotten vor Wut aus dem Kleiderschrank gezogen, weil ich einfach niemals aufräumen wollte. Was ich damit sagen will? Ich bin trotzdem glücklich groß geworden. Wir haben uns wieder zusammengerauft und weitergemacht. Niemals ist alles immer perfekt und das muss es auch nicht, aber unsere Familie ist glücklich, so wie sie ist. Wir machen jeden Tag weiter, und wenn ein Tag dabei ist, der eben wirklich schlecht läuft, dann läuft es am nächsten Tag vielleicht schon wieder ganz anders. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns alle gegenseitig bedingungslose Liebe entgegenbringen. Familie ist ein ständiges Auf und Ab. Das sind Kuschelstunden Sonntags Morgens im Bett und Wutanfälle beim Schuhe anziehen.  Aber Familie ist und bleibt das Allerschönste auf dieser Welt. Es ist meine „perfekte“ Welt. Und für alle Mütter, Väter und Familien, die an solchen Tagen an sich zweifeln: Ihr seid perfekt, so wie ihr seid! Mit allen Ecken und Kanten und Fehlern, denn ihr seid voller Liebe für euch und eure Familien.

 

 

 

 

 

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